epilog: geschichtsunterricht 2113

Donnerstag, 29. November 2012

epilog: geschichtsunterricht 2113

hallo liebe kinder
als das damals alles begann
befand sich die welt in einer großen krise
dabei war die vorherige krise
noch nicht einmal richtig vorüber
die reichen länder waren hoch verschuldet
& viele von ihnen konnten ihre schulden
nicht mehr bezahlen & mussten
um weiterhin geld aufnehmen zu können
drastische sparmaßnahmen vornehmen
lohn- & rentenkürzungen
steuerhöhungen & entlassungen
sozialabbau & immer
mehr privatisierung von staatseigentum
...
es gab ein heer von arbeitslosen
eine spirale der armut wurde
vorsätzlich in gang gesetzt
& erreichte auch die
die nie damit gerechnet hatten
not, verzweiflung & wut bei so vielen
allerorten
einigen ländern schien es dennoch gut zu gehen
poltiker verkündeten grinsend
sinkende arbeitslosenzahlen
& wachsende beschäftigung
dass so viele nicht genug zum leben verdienten
verschwiegen sie gern
sie verfälschten statistiken
& belogen ihre bürger
die regierenden hatten sich zu handlangern
des alles beherrschenden kapitals gemacht
damals gab es noch geld
& es gab genug davon
aber es befand sich in den händen
von wenigen reichen
& diese dominierten die welt
beuteten sie aus
& führten schreckliche kriege
die so viele unschuldige zivile opfer forderten
wenn sie ihre wirtschaftlichen interessen
gefährdet sahen
& das blut der opfer
verwandelte sich in bares geld
das in die kassen der rüstungskonzerne floss
war die not in den reichen ländern auch groß
so war sie in den armen unvorstellbar
mehr als eine milliarde menschen
mussten von weniger als einem dollar pro tag leben
weitere zwei milliarden menschen
hatten weniger als zwei dollar pro tag zum überleben
während die reichen ihre luxuskarossen
mit sauberem wasser aus der leitung wuschen
verdursteten menschen
oder erkrankten & starben dann oft
an durch verschmutzem wasser
übertragenen krankheiten
800 millionen menschen
davon 300 millionen kinder
gingen jeden abend hungrig zu bett
& alle 3,6 sekunden verhungerte ein mensch
die meisten davon kinder unter 5 jahren
kinder mussten arbeiten
um ihre familien zu unterstützen
& um billige produkte
für die armen in den reichen ländern herzustellen
...
die erde wurde ausgebeutet
die umwelt verschmutzt
das klima wandelte sich
...
& gnadenlos plünderte die gefräßige hässliche bestie
namens kapitalismus
& ließ leichen
& elend
& eine geschändete natur zurück
...
es war eine barbarische zeit ...

anfang september 2013
st. petersburg
im nordwesten russlands
an der mündung der newa in die newabucht am ostende
des finnischen meerbusens gelegen
ist die nördlichste millionenstadt der welt
...
dort trafen sich für zwei tage
die staats- & regierungschefs der g20
einer gruppe der zwanzig wichtigsten industrie- & schwellenländer
finanzminister & zentralbankchefs
die eu - präsidentschaft
die präsidenten der europäischen zentral- & der weltbank
der direktor des internationalen währungsfonds
der vorsitzende des internationalen währungs- & finanzausschusses
sowie der vorsitzende des ausschuss für entwicklungshilfe
diese gruppe vertrat 2/3 der weltbevölkerung & bestritt 80% des welthandels
dazu erwirtschafteten sie 90% des weltweiten bruttoinlandsprodukts
aus den usa, japan, deutschland, china, gb, frankreich, italien, kanada, brasilien, russland, indien, südkorea, australien, mexiko, türkei, indonesien, saudi-arabien, südafrika, argentinien & aus litauen (als vetreter der eu) reisten die delagationen an
im gefolge fernsehteams & journalisten
aus aller herren länder
& überall waren polizisten
um diese ach so wichtigen persönlichkeiten zu schützen
...
sie schüttelten sich lächelnd die hände
& umarmten sich
die mächtigen
die starken
die damaligen weltbeherrscher
doch das lächeln sollte ihnen vergehen
...
am morgen des zweiten tages
erschien keiner der anwesenden zum frühstück
schon am späten vorabend
hatten sich alle unwohl gefühlt
einige führten es auf das essen zurück
andere auf den stress
doch in der nacht
verschlimmerten sich die symptome
erst gesellten sich fieber
kopf- & gliederschmerzen hinzu
später ein immer stärkeres krankheitsgefühl
& benommenheit
bis hin zu bewusstseinsstörungen
dann lief ihnen noch blut aus allen körperöffnungen
& häßliche eitrige geschwüre
breiteten sich über den ganzen körper aus
die herbeigerufenen ärzte waren ratlos
& versuchten mit einem antibiotika - mix
die symptome zu behandeln
vergebens
das krankheitsbild verschlechterte sich immer mehr
& die besten ärzte der welt wurden eingeflogen
& sie entdeckten
dass ein bisher unbekanntes stäbchenförmiges bakterium
welches sich rasend schnell
durch zellteilung vermehrte
für die symptomatik verantwortlich war
&, es war resistent gegen jegliche antibiotika
binnen drei tagen verstarben alle versammelten
weltweites entsetzen machte sich breit
überall wehten die fahnen auf halbmast
& man glaubte, dass der iran oder nordkorea
oder islamische terroristen oder wer auch immer
ihre hände im spiel gehabt hätten
rache war das gebot der stunde
neue kriege mussten geführt werden
um ähnliches zu verhindern
aber ...
das sterben ging weiter:
es erwischte die militärs, die chefs der großen banken & konzerne, die politiker, kriegstreiber & ausbeuter in allen ländern der erde ...
& niemand konnte ihnen helfen
sie verreckten wie die fliegen
& irgendwann, es dauerte gar nicht lange
da war da keiner mehr, der kriege vom zaune brechen konnte oder wollte
also wurden keine mehr geführt
da war da keiner mehr, der herrschte & regierte
keiner mehr, der befahl
es gab keine reichen mehr, alle waren sie tot
zwar brach die wirtschaft weltweit zusammen
mit katastrophalen folgen für die versorgung
& die menschen waren ohne ihre beherrscher wie kleine kinder
dachten, dass ende ist nah
die kirchen, moscheen, synagogen, tempel &&& waren übervoll & man betete & flehte ...
glaubte, dass der wütende strafende gott aus dem alten testament zurückgekehrt sei ...
aber mit der zeit, da begannen sie, sich zu organisieren
die familien
die menschen in einem dorf
die menschen in einer straße einer stadt
nachbarn waren plötzlich wieder wichtig
in kleinen gruppen gingen sie die probleme an
arbeiteten mit anderen gruppen zusammen
vernetzten sich
es gab keine befehle
kein boss, der sagte, mach das oder das
keine regierung, die beherrschte & herrschte ...
wie in den anfangsepochen der menschheit
erkannten sie, dass es nur gemeinsam geht
aber ohne könige, präsidenten & kanzler
jeder brachte seine fähigkeiten ein
& ein jeder mensch hat fähigkeiten
ihr wisst es heute gut & lebt danach
fähigkeiten, die der allgemeinheit dienlich sind
& der mensch, der diese seine fähigkeiten einbringen
& verwirklichen kann
tut dieses gerne & es befriedigt ihn
sie begannen wieder zu produzieren
aber nur das, was sie wirklich brauchten
die felder wurden wieder wie gewohnt bestellt
die jahrhunderte der ausbeutung & versklavung
waren auf einmal fortgespült
& die menschen lebten & arbeiteten so
wie es in der natur des menschen angelegt ist
sie lebten, um zu leben
& nicht, um zu arbeiten
wenig arbeit am tag reicht doch
um das zu schaffen, was nötig ist
& wie schön ist es doch
die gewonnene zeit zu nutzen
für sich
& den kontakt mit anderen menschen
für musik, literatur, hobbys ...
& müßiggang, der wichtig ist
für die innere ruhe & den frieden
...
für die menschen damals waren das noch geschenke
für uns ist das heute normalität
& sie merkten von tag zu tag immer mehr
wie sie glücklicher wurden
& diese freiheit
kein gott, wie den, den die früheren beherrscher für ihre zwecke erfunden hatten
kein kaiser
noch tribun
kein staat
kein vaterland
kein herr
kein sklave
alle waren sie gleich & lebten danach
...
natürlich kam es immer wieder mal vor
dass sich einer über die anderen erheben wollte
herrschen wollte
mehr haben wollte als andere
zu gewalt aufrief, um die alten zustände wieder einzuführen
aber die meisten ließen sich davon nicht beeinflussen
sie gingen gegen die abweichler vor
ja, sie hatten aus der vergangenheit gelernt
& wussten zu schätzen & zu lieben, was sie hatten
& wenn das alles nicht half
dann kam, wie es auch heute noch
in ganz seltenen fällen vorkommt
das bakterium wieder
& das problem war gelöst
das bakterium, gegen das es übrigens immer noch kein gegenmittel gibt & es auch nie geben wird
weil so gut wie niemand daran interessiert ist
es zu bekämpfen
es trifft ja nur die, die es verdient haben
...
klar, mal streitet man sich
mag den einen mehr, als einen anderen
& ...
das ist alles nicht weiter schlimm
solange sich die menschen mit respekt begegnen & den mitmenschen achten
wir sind alle von einander abhängig & brauchen uns

'leben!
wie ein baum
einzeln & frei
& brüderlich wie ein wald
das ist unsere sehnsucht!'

so hatte es nazim hikmet
einer der großen dichter des vergangenen jahrhunderts
in einem seiner tausende von versen geschrieben
...
& das lernten die menschen damals schnell
...
- oh, liebe kinder, ich stelle fest, die heutige geschichtsstunde neigt sich dem ende zu & deshalb fasse ich, was weiter geschah schnell zusammen
wie ich schon erwähnte, produzierten die menschen nur noch das, was sie wirklich benötigten
also keine waffen - wozu?
somit wurden auch keine kriege mehr geführt
andererseits kam keiner mehr auf die idee welche zu führen
ihr kennt das ja alles von bildern & aus alten filmen
dieses grauen, die toten ...
der hunger auf der welt wurde besiegt
banken wurden abgeschafft
dann das geld
& ohne geld & zinsen wurden die menschen noch freier
waren so viele in den zeiten davor
noch vom auto abhängig
um damit zur arbeit fahren zu können
& einzukaufen
anders ging es früher nicht, bei diesen widerlichen schichten in den betrieben & dem, gerade in ländlichen gebieten, so schlecht ausgebautem nahverkehr
das war nicht mehr nötig
waren früher wirtschaftswachstum & konsum oberstes gebot, da nicht mehr
der klimawandel konnte abgeschwächt werden
die menschen handeln nachhaltig
& selbst die kirchen besannen sich auf das neue testament
viele der kirchenherrn waren ja auch dem bakterium zum opfer gefallen
aber nun predigte man das, was ein jesus mal gesagt hatte
& das war gut
& nach & nach entwickelte sich alles so, wie wir es heute im jahre 2113 kennen & lieben
& nie wieder verlieren werden
der mensch ist frei
dazu ist er geboren
& das liebe kinder war es für heute
euch & euren familien
wünsche ich noch einen schönen tag
& ...
tschüssikowski!

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Menü

Christoph Holzhöfer

twoday.net

Aktuelle Beiträge

Bla, bla, bla (Kanzlerin...
Tja ... 2016 geht ... 2017 kommt ... Merkel sprach...
chrdylan - 31. Dez, 19:51
Im schönsten Wiesengrunde...
Im schönsten Wiesengrunde (Das stille Tal) Im...
chrdylan - 29. Dez, 13:54
Kein schöner Land...
Kein schöner Land in dieser Zeit. Vom Niederrhein. Kein...
chrdylan - 27. Dez, 20:23
Doch nichts für...
Doch nichts für mich - für andere, Für...
chrdylan - 27. Dez, 20:19
Ein neues Lied (Ein "Kirchenlied",...
Autor: unbekannt Entstehungsdatum : um 1700 Bild im...
chrdylan - 27. Dez, 20:13

Musikliste

Mein Lesestoff


Bob Dylan
Lyrics 1962-2001



Bawar, André
Lachsblut

Web Counter-Modul

Status

Online seit 2855 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 31. Dez, 19:51

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (with comments)
xml version of this topic

twoday.net AGB

Musik Toplist Infinity Toplist

"Den Menschen in Deutschland ging es noch nie so gut ..." (Angela Merkels "Schöne neue Welt")
"Schweb' wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene!"
& irgendwann, dann bin ich dann mal tot - Christoph Holzhöfer
's ist Krieg (Text: Kurt Tucholsky) - Christoph Holzhöfer
's ist wieder Weihnachtszeit (ein schönes Weihnachtslied ...) - Christoph Holzhöfer
... der für die Menschheit starb (Text: Erich Mühsam) - Christoph Holzhöfer
1925 war fürwahr ein Unglücksjahr - Christoph Holzhöfer
a hard rain's a-gonna fall - bob dylan cover - christoph holzhöfer
a love supreme - john mclaughlin & carlos santana (1973.09.01 chicago)
abschiedsgesang (kurt tucholsky) - christoph holzhöfer
Ach, du traurig-schöne-bitter-süße Weihnachtszeit - Christoph Holzhöfer
Ach, wär ich doch Gott ... - Christoph Holzhöfer
Alle Jahre wieder (Die Diener des Kapitals-Version - Ein "Weihnachtslied") - Christoph Holzhöfer
Alle Jahre wieder (Die Meinungsdiktatur-Version - Ein Weihnachtslied) - Christoph Holzhöfer
Alles für die Sache. (Worte: William Morris, 1885) - Christoph Holzhöfer
Alltägliche Ballade (Text: Erich Weinert, 1931) - Christoph Holzhöfer
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren